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Lyrikhandlung am Hölderlinturm
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Lyrikbrief # Juni/Juli 2026
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Die Herzschläge nicht zählen Delphine tanzen lassen Länder aufstöbern aus Worten Welten rufen horchen was Bach zu sagen hat Tolstoi bewundern sich freuen trauern höher leben tiefer leben noch und noch Nicht fertig werden
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Rose Ausländer 1901-1988 „Schreiben war Leben. Überleben.“
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Was bedeutet es, wenn die gedruckten Werke über die authentische, originale dichterische Stimme einen Körper erhalten und einen Ton finden, den die Dichterin als einzige Wahrheit für ihr Gedicht als angemessen erachtet? Und ganz besonders, wenn es um die großen Dinge, um Gott, um die Liebe, die Welt und die Wahrheit geht. Was bedeutet es, hineinzuhören in die Gedichte einer Frau, durch die fast das gesamte 20. Jahrhundert hindurchgegangen ist, mit zwei Weltkriegen, dem Erlebnis des Holocausts, dem Erlebnis von Emigration und Heimatverlust und deren Gedichte trotzdem von Versöhnlichkeit und Nächstenliebe und niemals von Bitterkeit durchzogen sind?
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Der lyrische Brunch am 5. Juli und am 2. August wird sich dem Leben dieser Frau und der Dichtung Rose Ausländers widmen. Dabei werden wir einige Gedichte in der Stimme Rose Ausländers hören können, in der die Kraft, die Eigenständigkeit und die innere Stärke dieser Dichterin immer mitschwingen; und es wird aufschlussreich sein, was die Stimme der Dichterin aus den Worten eines Gedichtes macht.
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Rose Ausländer: Was für ein Leben! Mit 15 Jahren erfährt Rose Ausländer, was Exil ist, weil ihre Familie die geliebte Heimatstadt Czernowitz in der Bukowina während des Ersten Weltkriegs verlassen muss. Als Zwanzigjährige tritt Rose Ausländer aus finanzieller Not die weite Reise in die USA an, um dort das Geld für sich, ihre Mutter und ihren jüngeren Bruder zu verdienen. Rose Ausländer, die für ihre große Liebe ihre Ehe aufgibt, Rose Ausländer, deren Lebenswillen weder durch die Inhaftierung als angebliche US-Spionin durch den sowjetischen Inlandsgeheimdienst NKWD gebrochen wird noch durch die Zeit im Ghetto.
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Rose Ausländer, die unter Heimatverlust leidet und ein Nomadenleben zwischen den Kontinenten führt, und die mit 64 Jahren einen erfolgreichen Neustart im Literaturbetrieb wagt. Rose Ausländer, die sich für bettlägerig erklärt, um ihre verbleibende Lebenszeit nur fürs Dichten zu nutzen. Ein Leben, in dem die Zeit und das Leid, der Schrecken und die Hoffnung, die Zufälle und Schicksale ihr zum Wort geworden sind.
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Das unverbrüchliche Vertrauen in eine wahrheitssuchende Zeichengebung des Wortes und der Glaube an die identitätsbildende Kraft der poetischen Metapher hat Rose Ausländer bis zu ihrem Tode, nicht aufgegeben:
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Rose Ausländers Gesamtwerk liegt in Einzelbänden (Taschenbuchausgabe) im Fischer Verlag vor.
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Zu einer Zeit, da Rose Ausländer kaum Gelegenheit zur Veröffentlichung hatte, in der für sie Schreiben gleichbedeutend mit Leben und Überleben war, gelang es ihr, diese in kleine Notizbücher übertragenen Gedichte nach dem Krieg aus ihrem besetzten Geburtsort Czernowitz herauszuschmuggeln - eine Zeit, die Rose Ausländer mit den Worten beschrieb: »Sie ist ein Traum, ein langer schwarzer - aber es kommt das Erwachen deines Selbst, zur Helligkeit, zur Zeitlosigkeit!« Dieser Band enthält eine Auswahl von 109 Gedichten der Jahre 1927 bis 1947 aus dem literarischen Nachlass von Rose Ausländer. Formal gehören sie in ihre erste Schaffensperiode, als sie den traditionellen Gesetzen der Metrik und des Reims folgte, und zeugen - zugleich verdichtet und auratisch umglänzt - vom Unversöhnten im versöhnlichen Ton ihrer Lyrik.
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Zeit ihres Lebens war Rose Ausländer eine unruhig umhergetriebene, schließlich vertriebene und heimatlose Dichterin. In New York, wo sie sieben Jahre nur Englisch geschrieben hatte, fand sie zur deutschen Sprache 1957 zurück. Die Gedichte, die in den folgenden Jahren entstanden, gehören zu ihren schönsten überhaupt. Rose Ausländer verzichtet von nun an auf Reim und gebundene Form, es gelingt ihr, ihre Erfahrungen aus der Zeit der Gettos, der Verfolgung und der Todesangst in Verse zu formen, die wohl Trauer, aber keine Verzweiflung kennen. Denn sie findet Rettung in der Sprache: »Ich will wohnen/ im Menschenwort.« Der Band enthält ein Nachwort von Paul Konrad Kurz.
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»Rose Ausländers Dichtungen sind weich und spröde in einem. So kurz, so lapidar, so einfach ihre Verse oft klingen, so kühn sind sie doch auch.« So schrieb Renate Wiggershaus über die Gedichte Rose Ausländers dieses Bandes aus der Zeit von 1957 bis 1969. Er versammelt das 1965 zum ersten Mal erschienene Buch »Blinder Sommer«, das die Lyrikerin in der literarischen Öffentlichkeit bekannt machte, den 1967 folgenden Band »36 Gerechte« sowie zehn verstreut publizierte Gedichte. Stilistisch zeigt sich die radikale Wandlung in der Lyrik Rose Ausländers: Reim und geschlossener Form setzt sie die Öffnung ihrer Gedichte durch poetische Verknappung entgegen. Von Paul Celan ermutigt, findet sie nahezu übergangslos den Anschluss an das moderne Gedicht.
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1976 erschienen die Gedichte dieses Bandes erstmals. Sie markieren das Ende einer reichen Schaffensperiode Rose Ausländers. Sie sagen: »Ich freue mich«, »Ich tröste mich«, »Ich lebe«, »Ich suche«, »Ich fliege«, »Ich liebe«. Sie zeigen: der Drang, Gedichte zu schreiben, ist ein unverzichtbarer: »Wer bin ich/wenn ich nicht/schreibe«. Es gibt nur diese einzige Möglichkeit, zu bestehen und zu überstehen. Die Möglichkeit, der Vergangenheit und Gegenwart Herr zu werden.
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Die Gedichte dieses Bandes stammen aus den Jahren 1977 und 1978. Er versammelt die Zyklen »Doppelspiel« und »Mutterland« sowie einige verstreut publizierte Gedichte. Dies waren die Jahre des endgültigen literarischen Durchbruchs von Rose Ausländer, deren Werk eine öffentliche Anerkennung gerade zu jener Zeit erfuhr, als die Experimentierphase in der deutschen Nachkriegslyrik zu Ende schien und die Klarheit ihrer, unverschlüsselten Verse unmittelbar das literarische Publikum erreichen konnte.
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Der Band enthält Gedichte von Rose Ausländer aus den Jahren 1980 und 1981. Sie wurden zum großen Teil in den Bänden ›Einverständnis‹ und ›Mein Atem heißt jetzt‹ veröffentlicht. Diese lyrischen Arbeiten entstanden mithin in einer Zeit, in der Rose Ausländer nach langen Jahren endlich die Anerkennung einer großen Öffentlichkeit zuteil wurde. Es gelingt der Dichterin, ihr Leben, das von den brutalen Verletzungen dieses Jahrhunderts entstellt wurde, ohne Beschönigung, aber auch ohne Bitterkeit in Verse von karger Pracht zu bringen. »Zähl nicht die Stunden«, heißt es in einem ihrer Gedichte, »Sie zählen sich selbst / zum Jahr / zur winzigen Ewigkeit / deines Aufenthalts hier / Dieser rollende Hauch.« In ihrem Nachwort schreibt Ingeborg Drewitz: »Die Leichtigkeit, das Verstummen der Wunden, das Leise der Trauer sind es, die Rose Ausländers Gedichte so zugänglich machen.«
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Die Gedichte dieses Bandes entstanden 1981 und 1982 und wurden von Rose Ausländer zunächst in dem bibliophilen, für Kenner und Freunde gedachten Buch ›Einen Drachen reiten‹ und in der Sammlung ›Mein Venedig versinkt nicht‹ zusammengefasst. Vor allem dieser zweite Titel war für sie mehr als eine Verszeile - er war ihr poetisches Programm: Trotz allen existentiellen Gefahren, die sie bis zur Neige durchlebt und durchlitten hatte, beharrte sie in ihren Gedichten auf der Einsicht, dass die wahren Schönheiten der Welt unverletzlich sind und also nicht versinken können. Den Erinnerungen an die Jahre der Angst und des Hungers hält sie die Zeilen entgegen: »Ich träume mich satt/an Geschichten/und Geheimnissen.«
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Obwohl Rose Ausländer seit 1978 ans Krankenbett gefesselt war und die Vergangenheit als verfolgte Jüdin unvermindert auf ihr lastete, strahlt auch ihre Alterslyrik Zuversicht aus: »Es ist eine vorbehaltlos lebensfreundliche Haltung, die Rose Ausländer beseelt. Überall, wo das Leben auf sie zutritt, öffnet sie sich in ihrer ursprünglich gebliebenen Begeisterungsfähigkeit« (Beatrice Eichmann-Leutenegger). Nicht einmal das Wissen um die Nähe des eigenen Todes hat diese Lebensfreude trüben können. Im Gegenteil - Leben und Tod, Sterben und Wiedergeburt, Diesseits und Jenseits gehörten für Rose Ausländer eng zusammen: »Laß mich/dir entgegenblühn / Schönheit / Es heißt / blühn und / sterben«. Der Band enthält (Gedichte aus den Jahren 1982 bis 1983. Sie wurden erstmals veröffentlicht in den Zyklen ›Südlich wartet ein wärmeres Land (1982), ›So sicher atmet nur Tod‹ (1983) und ›Ich zähl die Sterne meiner Worte‹ (1985). Neu ist vor allem die »Poesie der einfachen Form« (Walter Hinck), die diese späten Gedichte auszeichnet: immer kürzer, immer schlichter, zuletzt sogar ohne Titel - und doch jedes für sich ein lyrisches Kunstwerk.
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Zehn Jahre lang, von 1978 bis zu ihrem Tod, war Rose Ausländer an ihr Zimmer im Düsseldorfer Nelly-Sachs-Haus gefesselt. Wie Heinrich Heine, nur viel länger, lag sie in der »Matratzengruft«. Im zähen Ringen mit ihrem kranken, sich entziehenden Körper schrieb sie weiter an Gedichten, die ihr den fehlenden Kontakt zur Außenwelt ersetzen mussten. In immer neuen Anläufen gestaltete sie die Themen Sterben und Wiedergeburt, Schuld und Liebe, Hoffnung und Angst. Erst 1986 versiegte die Sprache, die sie am Leben erhielt. Kurz vorher vollendete sie zwei Zyklen, die in diesem Band vereinigt sind: Die Sammlung ›Der Traum hat offene Augen‹ enthält Gedichte, die zwischen 1965 und 1978 entstanden und - nach eingehender Überarbeitung durch die Autorin im Jahr 1986 - wenige Monate vor ihrem Tod erstmals veröffentlicht wurden. Auch der Zyklus ›Ich spiele noch‹ ist 1987 erschienen. Er versammelt Gedichte aus den Jahren 1985 und 1986, die letzten also, die Rose Ausländer geschrieben hat.
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Der lyrische Brunch im Juni/Juli
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Ein nicht minder bewegendes Leben und Schicksal durchlebt die Lyrikerin Christine Lavant. Ihr ist auch ein lyrischer Brunch gewidmet, und zwar zum letzten Mal in diesem Jahr am:
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Samstag, 13. Juni, 17:00: Lesung mit Esther Kinsky „HeimStatt“
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Sonntag, 5. Juli, 11:00: Lyrischer Brunch „Rose Ausländer“
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Sonntag, 2. August, 11:00: Lyrischer Brunch „Rose Ausländer“
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Manchmal spricht ein Baum durch das Fenster mir Mut zu
Manchmal leuchtet ein Buch als Stern auf meinem Himmel
Manchmal ein Mensch, den ich nicht kenne, der meine Worte erkennt.
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Aufgrund begrenzter Plätze wird um eine Anmeldung gebeten: telefonisch unter 07071-566 71 71, per Email oder am einfachsten per Anmeldeformular.
Für den Lyrischen Brunch am 7. Juni "Christine Lavant" Anmeldung bitte bis Freitag, 5. Juni.
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…et n’oubliez pas de revenir! Auf ein baldiges Wiedersehen, Ihre Ulrike Geist.
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