Wie die Lyrikhandlung am Hölderlinturm SchülerInnen fürs Gedichte-Schreiben begeistert

Die Lyrikhandlung am Hölderlinturm ist auch ein Ort, wo nicht nur Lyrikbücher gekauft oder wo Lyrik zu Gehör gebracht wird, sondern auch Schülerinnen und Schüler an das Lesen und vielleicht sogar Selbst-Verfassen von Gedichten herangeführt werden.

Die Inhaberin Ulrike Geist lädt hierzu regelmäßig SchülerInnen ab Klasse 8 zu Lyrik-Workshops ein. Als guten Einstieg bieten sich die Gedichtbände der Lyrikerin Herta Müller als Vorbild an. Seit vielen Jahren schafft Herta Müller mit Schere und Papier poetische Kunstwerke – ihre berühmten Wörter-Collagen. Sie selbst beschreibt ihre Arbeit mit den Worten: „Es ist der intensivste Kontakt mit Sprache, weil man jedes Wort einzeln anfassen muss.“

Aus Magazinen und Tageszeitungen werden einzelne Worte ausgeschnitten, auf Postkarten geklebt und in anderen Zusammenhängen und Klängen „zu neuem Leben“ erweckt. Es können so Texte entstehen, die ganz andere Bilder, Assoziationen, Gedanken, Gefühle und Erinnerungen hervorrufen können, da durch diese Methode die Worte aus ihrem gewohnten informativen Kommunikationszwang befreit werden. Die SchülerInnen werden durch diesen Prozess in eine Sphäre geholt, in der alles wieder kurzzeitig beweglich und gleichsam unbestimmt wird.

Wichtig ist hier vor allem:  die
SchülerInnen müssen bei dieser Arbeit nicht nach Worten oder in ihrem
eigenen Inneren suchen, sondern wie Herta Müller schreibt: 
„Überall haben Wörter gewartet, ich habe sie nur ausschneiden müssen.

Sie waren außerhalb von mir, ich musste nicht wie beim Schreiben im Kopf nach ihnen suchen.“ Und so lassen sich mühelos die jugendlichen Hemmungen etwas ganz Eigenes von sich zu zeigen überwinden.

 

Am Ende wird die Arbeit reflektiert in der Frage: Wohin nehmen uns Worte und ein Gedicht mit?

 

Die SchülerInnen erleben dabei, dass in der Lyrik die Sprache von ihrer konventionellen Funktion als Kommunikation befreit werden kann und in dieser Kunstform frei von Zweck und Kausalität ist, in die unsere Gedanken in der Alltagssprache normalerweise gezwungen werden. Die SchülerInnen erfahren wie im Verfassen von Gedichten die Worte wieder „neu“ werden, die Worte „aufweichen“ und – in einen anderen Sinnzusammenhang gestellt – wieder lebendig und beweglich werden können. Das Verlebendigen von Sprache und damit auch des Denkens, ist eine Erfahrung für die jungen Menschen, die heute, bei zunehmender Verarmung und Oberflächlichkeit unserer Sprache, vielleicht wichtiger denn je ist.

 

Termine und Preise auf Anfrage.